(Steamy Dumplings, 2004) Manches ist zum Glück nicht totzukriegen. Ska etwa, eine flotte Mischung aus einem Sack voll Einflüsse, bei dem vielen, wenn überhaupt, nur "Madness" einfällt. Auch die schafften aber Anfang der 80er nur einen Punk-inspirierten Ableger, die Wurzeln sind um einiges älter.

Und weil man für gute Musik nicht das Rad neu erfinden muss, können ein paar Münchner heute ein sauberes Ska-Album machen, das so ähnlich auch in den 70ern durch Londoner Clubs hätte geistern können - obwohl besagte Münchner damals noch nicht auf der Welt waren.
Im Jahre des Herrn 2004 in München eine Ska-Platte abzuliefern, ist allein schon wegen des dazu erforderlichen Muts lobenswert. HipHop wäre da deutlich sicherer, ein möglichst abgefahrener Club-Lounge-Chill-Elektrosound, minimalistischer Intello-Deutschrock, Emo-Core (doch doch, das gibt's!) oder, das findet immer Anhänger, zeitloses Heavy-Geschrubbe, selbst die Cold-/Gothic-Richtung des New Wave erlebt derzeit eine Art Resurrection, wenn man dem Bild in den Stadtparks trauen darf. Aber ausgerechnet Ska, und dann auch noch der eher traditionellen Sorte? Respekt. Zumal die sechs bis acht Bandmitglieder nicht der Versuchung nachgeben, irgendwelche abgehobenen Elemente obendrauf zu pfropfen, mit denen sie sich vielleicht durch die Hintertür einen Auftritt im Atomic-Café ergattern könnten.
Statt dessen: einfach Ska, die Musik, die in den 50er Jahren auf Jamaica im Brennpunkt sozialer Unruhen stand, die sich anfangs mangels Geld für Clubs und dergleichen über die mobilen Sound-Systems (Überraschung: daher kommt das!) aus den Slums Kingstons heraus ausbreitete, die coole, gefährlich dreinblickende Rude Boys in schwarze Anzüge und Sonnenbrillen steckte, die, selbst auf R'n'B basierend, als Ursprung unter anderem des Reggae gilt (und nicht umgekehrt) und schließlich Anfang der 70er mit Einwanderern nach England schwappte, gerade rechtzeitig, um dort wiederum vor allem unter sozialen Underdogs populär zu werden - Ska eben.
Das alles ist zwar schon ein Weilchen her, aber dadurch lassen sich die "Dampfenden Knödel" nicht beirren. Instrumentierung, Gesang, der Off Beat als musikalisch auffälligstes Merkmal, selbst die englischen Texte ("Revolution", "Freedom") halten sich bis auf den "Freemix" am Ende des Albums so konsequent wie unverkrampft an die stilistischen Ursprünge. Dennoch wirken die acht flotten Stücke keineswegs leblos oder abgekupfert, sondern bringen den Hörer zum Mitwippen wie eh und je; sauber gespielt und produziert ist das Ganze sowieso, und mangels aktueller Vertriebskanäle für schlappe acht Euro über die Band selbst zu haben. Wie man an die herankommt, um "Hot Steamy Thing" oder gar einen Auftritt zu organisieren, dazu ein paar kostenlose MP3 zum Reinschnuppern gibt's auf der
Website der Steamy Dumplings. Get 'em up!



