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Sackcloth 'n' Ashes

(Sixteen Horsepower, A&M Records, 1995) Es gibt Bands, die hecheln hinter Trends her und springen mehr oder minder erfolgreich auf, und solche, die sich um sowas einen Teufel scheren und lieber selbst welche setzen. Zu letzterer Kategorie gehört zweifellos 16 Horsepower, eine drei-Mann-Combo aus Denver/Colorado. Nach ein paar obskuren Wehen erschien 1995 ihr Debut "Sackcloth 'n' Ashes", mit dem sie ohne Anstrengung eine interessante Mischung salonfähig machten.

Indie, französisch gefärbten Cajun-Swamp, Folk und Country, gut durchgemixt und dominiert von dem näselnden Gesang, den man aus diesen feucht-schwülen Filmen kennt, in denen die Helden im tiefsten amerikanischen Hinterland versacken und sich mit einer Horde degenerierter Irrer herumschlagen.

Jean-Yves Tolà, Kevin Soll (später ersetzt durch Pascal Humbert) und Multiinstrumentalist David Eugene Edwards setzen auf "Sackcloth 'n' Ashes" den Anfang einer Entwicklung, die mit den drei darauf folgenden Alben bis hin zu "Folklore" immer stärker von der Beschäftigung mit den musikalischen Wurzeln des tiefsten amerikanischen Hinterlands geprägt ist. Hier wirkt das alles noch vor allem ungezügelt und kraftvoll, mit einem Hauch weniger Moderne könnte man die Platte auf jedem Dorffest in Hicksville/Tennessee spielen. Accordeon, Banjo und Geige setzen Akzente gegenüber Bands, die sich in erster Linie auf die vertraute E-Gitarre verlassen, der mal dunkel-beschwörende, mal nasal-klagende Gesang Edwards' ist in dieser Art ansonsten nur in unerträglichen Country-Schnulzen zu finden - und passt hier ausgezeichnet.

Wirft man zu dieser Mischung noch einen Blick auf die Texte, kommt eine zum Glück nicht allzu wesentliche Frage auf: Ist Edwards wirklich so ein Spinner, oder spielt er nur mit den Versatzstücken dieser seltsamen Religiosität, die man vage mit dem Klischee von Inzucht geplagter und in selbstgebranntem Whiskey ersaufender Dörfer in den Sumpfgebieten Floridas verbindet? Bibelzitate en masse, "Oh My Brothers" allenthalben, und kein Lied, in dem nicht irgendwie die selbstgeißelnde Faszination ewiger Verdammnis für uns gepeinigte Sünder durchklingt. Für die Musik ist das, thank the Lord, nicht weiter von Bedeutung. Und die, das als Sahnehäubchen zu guter Letzt, hat selbst den unbestritten genialen Gordon Gano (Violent Femmes) derart in ihren Bann gezogen, dass er nach dem Besuch eines Konzerts in Denver um die Ehre bat, auf dem Debut an der Violine gastieren zu dürfen - erfolgreich.

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