(Alejandro González Inárritu, USA 2003, 125 Minuten) "21 Gramm" läuft seit der Oscar-Verleihung nicht mehr nur in ein, zwei Programmkinos, sondern in jedem Laden der Stadt (egal, welcher). Das liegt an Sean Penn, der sich nun von Amts wegen als bester Darsteller bezeichnen darf, was a) die Ausnahme der Regel darstellt, dass die Oscars eine abgekartete Sache ohne jeden Zusammenhang mit filmischer Leistung sind...

... und b) auch ohne den kleinen goldenen Mann jedem einleuchten müsste. Genau 21 Gramm verliert übrigens der menschliche Körper angeblich in exakt dem Moment an Gewicht, in dem der Exitus eintritt - der Titel ist jedoch glücklicherweise das einzige, was an diesem Film aufgesetzt wirkt.
"21 Gramm" ist, zugegeben, noch einiges mehr als Sean Penns von Film zu Film beeindruckendere Schauspielerei: Benicio del Torro, Naomi Watts und Charlotte Gainsbourg bringen unter der Regie Inarritus ("Amores Perros") eine Geschichte auf die Leinwand, die einen von der ersten Minute an in den Bann zieht. Penn ist ein herzkranker Professor, der auf ein Spenderorgan wartet, Gainsbourg seine Frau, die ihn trotz seiner Egozentrik liebt und soviel von ihm einsteckt, dass er sie kaum mehr respektiert. Del Torro, ein gewalttätig-religiöser bekehrter Ex-Gewaltverbrecher, überfährt einen Mann mitsamt seinem Kind und begeht Fahrerflucht. Das Herz des Mannes rettet Penn, Watts war die Frau und ist folglich nun die Witwe dieses Manns. Penn ermittelt ihre Identität, verliebt (?) sich in sie, macht sich inkognito an sie heran, bringt sie dazu, ihn anzunehmen, obwohl sie die Wahrheit erfährt, bekommt mit dem neuen Herzen wieder lebensbedrohliche Komplikationen und beschließt irgendwann mittendrin, Del Torro zu töten.
Das Ganze ist auf so vielen Zeitebenen erzählt, dass der Zuschauer die Zusammenhänge erst begreift, als er sich gerade eben aufzuregen beginnt, warum man ihm eigentlich für sein gutes Eintrittsgeld auch noch eine detektivische Glanzleistung abverlangt. Anschließend steckt er dafür um so tiefer in der Geschichte drin, und kommt nicht mehr aus ihr heraus, bis das faszinierende Durcheinander zu einem chronologischen und erzählerischen Ende führt. Auf welche Weise das passiert, darf man eigentlich nicht vorwegnehmen.
Bleibt hinzuzufügen, dass neben den Darstellern und der Regie auch die Kamera im Verein mit dem Licht das Ihre tut um, wie schon in Amores Perros, Inarritus Sicht auf die Welt zu unterstreichen: hart, grobkörnig, gleißend, alles andere als schmeichelhaft für alle Beteiligten.



