Drei Dinge ziehen im RTL-Bild-Medientrust: Sex, Prominente und schmutzige Geheimnisse. Das ist recht praktisch, denn wer "prominent" und was ein "schmutziges Geheimnis" ist, bestimmt man sowieso selbst; und Sex, Gott nun, ein "Luder" hier, eine "Hure" da, paar Tittenbildchen drumrum, fertig.

Und so hatte man für den 11. März einen Knüller parat: Abends "Superstar", morgens die "Sex-Beichte" von Hauptakteur Mike Leon. Wie der dazu kommt, ausgerechnet uns zu beichten und nicht dem üblicherweise dafür vorgesehenen Geistlichen? Erstens würde der ihn vermutlich wegen seiner saublöden Story mit Fußtritten aus dem Beichtstuhl jagen, zweitens sind wir schließlich Papst und damit ausgezeichnet qualifiziert.
Mike Leon, unübersehbar ein weiterer Klon aus der selben unterirdischen Kasperlfabrik, die auch schon Prachtexemplare wie Andreas K. und Sascha, M., 29, arbeitslos, hervorgebracht hat: Ende Zwanzig, keine Vergangenheit (außer der von Bild erfundenen), wesentlichstes Merkmal putziges Bärtchen, Minimalwortschatz, Minimalmimik, Minimalhirn, Minimaltalent (wozu auch immer). Bei RTL darf er tun, als ob er singen würde, die Bild bekommt dafür einen Freibrief für Beichten, Geständnisse, und - nachrichtentechnisch besonders brisant - den Mix aus beidem. Die "Sex-Beichte" kommt nämlich alternativ auch als "Huren-Geständnis" daher, das ergänzt das Sündenhafte um einen bei Bild-Lesern offenbar beliebten Touch von verruchter Halbwelt.
Dass die ganze Story mit ziemlicher Sicherheit erstunken und erlogen ist, beweist schon die Tatsache, dass "Liebesmädchen-Magadalena" (hieß so nicht auch eine Kollegin in der Bibel...?) anonym bleibt, anstatt ihrerseits gegen Cash allen möglichen Schwachsinn von sich zu seiern; die eigentliche Frechheit liegt aber darin, dass trotz die Redakteure trotz völliger Narrenfreiheit nichts interessanteres zusammengestümpert haben - erfunden und belanglos ist eine Sache, aber langweilig? Da vergeben Wir-Papst eher noch die Fehltritte unseres Mike Leon.



