(Morcheeba, China Records Ltd., 1998) Es waren einmal ... Zwei Jungs und ein Mädel in einer englischen Stadt namens Portishead, die gingen hin und erfanden mit einem einzigen Album versehentlich einen neuen Musikstil, für den geplagte Kategoristen sich bald auf den dümmlichen Begriff Triphop einigten. Um diese Band soll es hier nicht gehen.

Sondern um eine der Gruppen, die kurz darauf eifrig begannen, den Kategoristen den letzten Nerv zu rauben, indem sie unverdrossen den eben erst mühsam benannten Stil mit gänzlich anderen Einflüssen mischten, so dass eine Zuordnung praktisch unmöglich ist: Morcheeba.
Die, ebenfalls zwei Jungs und ein Mädel, fanden sich zusammen, als Portishead schon ihrem viel zu frühen Ende entgegen gingen, so wie andere Aufspringer oder in den Strudel Hineingezogene auch - Stichwort Massive Attack. Morcheeba jedenfalls sind nicht ganz so ernst (wie Portishead), nicht ganz so hart, nicht ganz so... intensiv. "Chillig" nennt man das wohl, oder "relaxed", egal, jedenfalls schienen sie entschlossen, gaaanz locker an die Arbeit zu gehen und in der Gunst der Stunde zwei, drei Alben zu machen, unter anderem eben "The Big Calm". Der Name ist folglich Programm: Beim ersten Hören nimmt man's gar nicht so recht wahr, beim zweiten denkt man still "ganz nett eigentlich", beim dritten fragt man, wer zum Geier das eigentlich ist und ob man mal das Cover haben kann.
Das vierte Mal hört man die elf gepflegten Stücke dann schon daheim auf der eigenen Scheibe. Überhaupt ist "gepflegt" das Schlüsselwort für "The Big Calm." Perfekt gespielt, blitzsauber produziert, immer entspannt, aber nie gelangweilt: Das Cover-Foto mitsamt Buddha ist kein Zufall, sondern gehört vermutlich einfach zum Konzept.
Bis auf zwei Stücke dominiert die Jazz-geformte und, na ja, sehr gepflegte Stimme der Amerikanerin Skye Edwards das Album, die Triphop-Elemente vom unaufdringlichen, aber omipräsenten Beat über Scratches und Samples bilden den satten Klanghintergrund. Rundum gelungen sind die Anleihen links, ob beim Soul (The Sea), Reggae (Friction), beim so originell wie erstaunlich gelungen durch Sitarklänge ergänzten Roots-Blues (Diggin' A Watery Grave), beim Country (Part Of The Process) oder beim HipHop (Big Calm). Wo da Raum für den TripHop bleibt? Keine Sorge - überall!
Bleibt eigentlich nur noch zu ergänzen, dass Vorsicht geboten ist, um sich das ganze nicht in den ersten Wochen gleich ein für alle Male über zu hören, was sich so geschickt auf dem kürzesten Weg ins Ohr schlängelt, führt bei Überdosierung leicht zu Übelkeit. Und das wäre schade, zumal man relativ günstig an das gute Stück kommt: Sämtliche Morcheeba-Platten kämpfen derzeit je nach Anbieter mit Preisen zwischen schlappen acht und zehn Euro gegen Raubkopierer.



