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Herr Lehmann

(Leander Haußmann, Deutschland 2003, 105 Minuten) Am Anfang ist das Beck's: Plakate, Flaschen, Bierdeckel, bis in die Wiege seiner taggeträumten Babies hinein verfolgt Beck's Herrn Lehmann. Das geht den ganzen Film so, und erst - sitzenbleiben! - im Abspann, wenn man das dreiste Product Placement grinsend eigentlich schon cool findet, erfährt man, "Von Beck's gab's nichts - scheiß' der Hund drauf".

Herr Lehmann (Christian Ulmen, und Ja, es ist der aus den alten MTV-Sendungen!) lebt anno 1989 in Kreuzberg. Stilecht: Mit einer Menge origineller Kumpels, ständig in einer Kneipe vor oder hinter dem Tresen, oder aber auf dem Weg in eine andere Kneipe. Philisoph ist er auch, wenn etwa seine künftige Liebe von "Lebensinhalt" redet, kann er sich so richtig über den Unsinn eines solchen Begriffs ereifern. Und seine Freunde sind genauso, Kneipenbesitzer oder Stammkunden, cool, weil sie es nicht zu sein versuchen, eigensinnig in ihren kleinen Macken und großzügig in den wichtigen Dingen. Alle stecken sie fest in diesem Universum, und versuchen möglichst wenig von der Außenwelt mitzubekommen - während ein paar hundert Meter weiter die Mauer ins Wanken gerät.

Eine Story im eigentlichen Sinne hat der Film nicht, wie so viele andere gelungene Streifen auch. Zwar gibt es eine Liebesgeschichte, aber im Gegensatz zu den bis ins letzte ausgewrungenen jungen deutschen Komödien aus der Wörtmann-Schwaiger-Riehmann-Bleibtreu-Liga steht sie nicht im Mittelpunkt. Den nimmt trotz allem eine Entwicklung ein, die von Herrn Lehmann, der eigentlich auch einen Vornamen hat, aus dieser kleinen, alternativen Kreuzberger Welt hinaus in den Rest des Lebens. zu Beginn nämlich ist er noch 29, und gegen Schluss, als das ganze feste Gefüge - wie die Mauer - unwiderruflich bröckelt, hat er seinen dreißigsten. Hat, nicht feiert, denn da sitzt er gerade mit seinem Freund Karl (Detlev Buck) in einer Nervenklinik, weil Karl eindeutig spinnt, wie der Psychiater vom Nachtdienst selber auch, nur eben anders. Klingt wirr? Macht nichts.

Im wirklichen Leben ist Ulmen gerade einmal gut dreißig, kann also '89 kaum so richtig in Kreuzberg gelebt haben. Ob jemand anderes aus dem Team das getan hat, und wenn ja wer, ist im Grunde egal; fest steht, dass der Film das Feeling der späten Achtziger haargenau rüberbringt, ohne verstaubt oder gar rühr-nostalgisch zu wirken: So war das damals, diese Art Leute, diese Straßen, diese Autos, diese Klamotten, diese Einstellung und last but not least diese Musik. Und wenn nicht, wie einige, die wirklich dabei waren, sich bestimmt lautstark zu versichern beeilen, wenn also vielleicht tatsächlich nicht - dann hätte es so sein müssen.

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