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Ein Kampf um Rom

(Felix Dahn, Neuauflage Juli 2003) Historische Romane sind nicht eben en vogue, während ihre jungen Verwandten ersten Grades rauschende Triumphe feiern: Fantasy-Geschichten, zuletzt etwa Der Herr der Ringe, der in bester Disney-Manier ausgewrungen wurde und via Verfilmung bei Leuten in die Favoritenliste einzog, die womöglich zuvor nicht einmal von der Existenz des Buchs wussten.

Nicht, dass Ein Kampf um Rom irgendwelche Referenzen nötig hätte, aber als - gut erzählter! - historischer Roman ist er nichts anderes als eine Fantasystory, die so oder ähnlich einmal wirklich geschehen ist. Die Zutaten: Ein sagenhaftes Land mit exotischen Städten in grandioser Landschaft (Italien); die Einwohner, deren großé Zeit unwiderruflich vorüber ist (Römer bzw. Italiener); ein herrschendes Volk, das aus unbekannten Regionen hinter den Bergen eingedrungen ist (die Goten); eine dritte Macht, die aus reiner Gier und Berechnung ebenfalls nach dem Land greift (Byzanz). Dazu ein strahlend-perfekter König (Totila) mit übermächtigen alten Lehrern (Hildebrand), einer tragisch-großen Liebe (Valeria) und einer Schar treuer anderer Helden (Witchitis, Teja, Hildebad, Belisar etc.). Hinzu kommen berechnende Bösewichter (Cethegus), tückische Priester (die ersten Päpste) und verschlagene Herrscher (Justinian) mitsamt schlangenhaft-verdorbenen Weibern - fertig ist der Mix für eine Geschichte, die zeitlos spannend ist.

Dass Dahn die Zeit nach dem Zerfall des römischen Reiches um das Jahr 500 historisch relativ genau schildert, kann einen zusätzlichen Reiz ausmachen, muss aber keinesfalls Angst vor staubtrockener Geschichte wecken. Das Schicksal der Goten mit ihren Herrschern von Theoderich bis Totila ist von der ersten bis zur letzten Seite packend, nicht zuletzt, weil Dahn seine Figuren im Detail ohne Rücksicht auf historische Erkenntnisse mit Leben ausstattet. Ob Totila wirklich so unbefleckt strahlend war wie Cethegus kalt und stolz, spielt keine Rolle, wenn die geschichtlich entscheidenden Daten und Taten nur stimmen. Dahn greift auf den byzantinischen Geschichtsschreiber Prokop zurück, der seinerseits auch als Charakter auftritt; ob seine umständlichen Originalschilderungen - er stand im Dienst Belisars und war ein Freund Cethegus' - verlässlicher sind, darf man ohnehin bezweifeln.

Das Tüpfelchen aufs i setzt Dahns pathetischer Erzählstil in einer Sprache, von der sich so mancher Fantasy-Autor eine Scheibe abschneiden könnte. Dass dabei etliche Klischees gepflegt werden, stört keinen Moment, sondern erhöht noch das Vergnügen: Die wild-naiven Goten, listigen Römer und schleichenden "Griechlein" entstehen um so besser vor dem inneren Auge des Lesers. Ein Kampf um Rom war lange Jahre vergriffen, 2003 haben gleich mehrere Verlage gemerkt, was sie sich entgehen ließen und sowohl die abgebildete gebundene als auch eine preiswerte Taschenbuchausgabe veröffentlicht.

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